Liebe Eltern,

die Bonner Universitäts-Kinderklinik bietet durch die neugeschaffene MRSA-Ambulanz für Kinder eine umfassende Betreuung von Kindern, die Träger von multiresistenten Erregern (z.B. MRSA, ESBL) sind. Sollte bei Ihrem Kind eine MRSA-Besiedlung (oder andere multiresistente Erreger) nachgewiesen worden sein, können Sie sich in unserer MRSA-Ambulanz für Kinder beraten lassen. Wir helfen Ihnen die erforderlichen Maßnahmen erfolgreich durchzuführen und werden Sie bis zum Abschluss der Behandlung begleiten. Neben der Betreuung der Eltern und der Koordination der Dekolonisationsmaßnahmen stehen die Mitarbeiter der Ambulanz auch telefonisch oder per Email niedergelassenen Kinderärzten für spezielle Fragen bezüglich multiresistenter Erreger zur Verfügung.
Durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (Direktor: Prof. Martin Exner) der Universitätsklinik Bonn können auch komplexe Fragestellungen zeitnah und umfassend beantwortet werden.

Wir möchten Ihnen vorab die wichtigsten Fragen zum Thema MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) bei Kindern beantworten. Die Antworten basieren auf den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Prävention und Kontrolle von MRSA und den wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen, die im Rahmen des Euregio MRSA-net erarbeitet und mit den beteiligten Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung abgestimmt wurden.


MRSA Kinder/Kind Staphylococcus, aureus, Kinderinfektiologie, BonnWas bedeutet MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus)?
Staphylococcus aureus sind Bakterien, die natürlicherweise auf der Schleimhaut des Nasenvorhofs und seltener auch auf der Haut von jedem dritten Menschen leben. Normalerweise verursachen diese Bakterien keine Infektionen. Bei Verletzung der Haut oder auch durch medizinische Maßnahmen wie z.B. eine Operation kann Staphylococcus aureus Wundinfektionen verursachen. Solche Infektionen können harmlos ablaufen (Abszesse, Eiterbildung etc.), bei geschwächtem Immunsystem kann es aber auch zu schweren Infektionen wie einer Blutvergiftung und Lungenentzündung kommen. Im Fall einer Infektion helfen Antibiotika die Bakterien zu entfernen. Manche Staphylococcus aureus sind unempfindlich (resistent) gegenüber dem Antibiotikum „Methicillin“ und den meisten anderen Antibiotika geworden. Solche Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus nennt man abgekürzt MRSA. Die meisten Kinder mit MRSA-Besiedlung haben keine Symptome. Die MRSA-Besiedlung fällt häufig im Rahmen von Abstrichuntersuchungen (z.B. im Rahmen einer Tonsillitis) als Nebenbefund auf. Auch wenn keine Symptome bei Ihrem Kind vorliegen, ist es wichtig den Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus zu eradizieren. Besonders bei Kindern mit chronischen Erkrankungen ist eine MRSA-Sanierung von großer Bedeutung.

Wie lange kann sich MRSA auf der Haut/Schleimhaut des Menschen halten?
Die Dauer der Besiedlung hängt davon ab, ob sanierungshemmende Faktoren vorliegen. Liegen sie vor, ist die Sanierung selten erfolgreich und der Patient kann bis zu 40 Monate und länger MRSA tragen. Ohne sanierungshemmende Faktoren gelingt eine Sanierung in den meisten Fällen innerhalb von zwei Wochen. Ohne Sanierung kann die Tragedauer von MRSA ein Jahr und länger betragen.

 


MRSA-Ambulanz für Kinder | Kinderinfektiologie Bonn


Was bedeutet MRSA-Sanierung?
Die sogenannte Sanierung oder Sanierungstherapie dient der Entfernung der MRSA-Bakterien von der Haut und den Schleimhäuten des Trägers. Bei gesunden Kindern ohne Risikofaktoren lässt sich MRSA aus dem Hauptreservoir, dem Nasenvorhof leicht entfernen. Hierzu werden antibiotisch oder antiseptisch wirksame Nasensalben angewendet. Innerhalb weniger Tage ist der MRSA entfernt und der Erfolg der Sanierung ist mittels Abstrichuntersuchung zu bestätigen. Die Erfolgsrate dieser einfachen Sanierung ist hoch. Liegen sanierungshemmende Faktoren vor (Wunde, Katheter etc.), muss zunächst die Heilung abgewartet bzw. der sanierungshemmende Faktor beseitigt werden, bevor die endgültige MRSA-Sanierung angegangenen werden kann. Dennoch kann während dieser Phase eine Sanierungstherapie zur Keimreduktion sinnvoll sein.

Wie sieht die Sanierung bei Kindern aus?
Phase A (Screening): Ein Patient hat ein MRSA-Risiko und muss abgestrichen werden. Liegt kein Besiedlungsstatus der Hauptbesiedlungsstellen für MRSA vor, muss vor der Behandlung ein Kolonisationsstatus (Nasenvorhof, Rachen, Achseln, Leiste oder Rektum, ggf. Wunde) erhoben werden.
Phase B (Behandlung): Liegen beim Patienten keine sanierungshemmenden Faktoren vor, bekommt der Patient eine MRSA-Behandlung (Sanierung). Diese erfolgt individuell angepasst und besteht abhängig von der Grunderkrankung aus der Anwendung einer antibiotischen Nasensalbe, ggf. Rachenspülung oder Tabletten und eines desinfizierenden Shampoos/Haarspülung. Die Dauer der Behandlungsphase liegt i. d. R. zwischen 5 und 7 Tagen.
Phase C (Pause): Diese Phase ist notwendig, damit Rückstände antimikrobieller Substanzen keine fälschlicherweise negativen Abstrichergebnisse ergeben. Die Dauer dieser Phase beträgt mindestens 3 Tage.
Phase D (Erfolgskontrolle): Kontrollabstriche. Drei Abstriche an drei aufeinander folgenden Tagen an allen vorher MRSA-positiven Lokalisationen erfolgen.
Phase E (Kontrollabstriche): Da bekannt ist, dass sich bis zu 50% der Sanierten innerhalb eines Jahres wiederbesiedeln, sind Kontrollabstriche notwendig. Es erfolgen Kontrollabstriche zwischen dem 3. und 6. Monat und 12 Monate nach Sanierung.
Phase F (MRSA-frei): Nach 12 Monaten und negativen MRSA-Abstrichen gilt der Sanierte als MRSA-frei. Er hat jedoch eine positive MRSA-Anamnese und muss bei Aufnahme in ein Krankenhaus gescreent und bis zum Ausschluss prophylaktisch isoliert werden.


 Ablauf MRSA-Dekolonisationsbehandlung Kind:

 

Sanierung

5-7 Tage

 

Pause

3 Tage

 

1. Kontrolle

 

 

vorläufiger

Sanierungserfolg

 

2. Kontrolle

3.-6. Mon.

 

3. Kontrolle

nach 12 Mon.

 

MRSA

frei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Phase A + B

 

Phase C

 

Phase D

 

 

 

Phase E 

 

Phase F


 

Mit Beginn der MRSA-Sanierung: Handtücher, Bett- sowie Unterwäsche bei mindestens 60 °C waschen, Pflege- und Hygieneutensilien (z.B. Zahnbürste, Duschgel, Creme, Taschentücher, Feuchttücher etc.) entsorgen. Zudem häufig genutzte Gegenstände wie z. B. Spielzeug, Kinderwagen, Türklinken, Telefonhörer, Fernbedienung desinfizieren. Stofftiere, Kuscheldecken etc. bei 60°C waschen und erst nach der Dekolonisations-Behandlung wieder ‚freigeben'.

 

Durchführung  MRSA-Sanierung bei Kindern (5 Tage):

  • Verwendung eines "MRSA-Sanierungs-Kit" (z.B. Schülke & Mayr Anti MRSA Set oder Prontoderm® MRSA Kit)
  •  2 x tgl. waschen der gesamten Haut und der Haare mit einer antimikrobiellen Waschlotion (Octenisan®, Stellisept® oder Sanolind®): Haut anfeuchten, reichlich  einschäumen (Einwirkzeit beachten!) und abduschen
  • nach dem Waschen morgens/abends ein frisches Handtuch verwenden, Waschlappen ebenfalls nur einmal verwenden
  • Mupirocin Nasensalbe (Turixin®) oder Octenisan® Nasengel; 3 x tgl. jeweils ca. einen Zentimeter in jeden Nasenvorhof, Nase von außen etwas zusammendrücken, um die Salbe zu verteilen, danach nicht schnäuzen)
  • Falls möglich (erst ab dem Schulalter) Mundspülung 3 x tgl. mit Octenidol® oder ProntOral®
  • täglich den Kopfkissen-Bezug, Handtücher und Unterwäsche bei mindestens 60°C waschen
  • am ersten, dritten und fünften Behandlungstag die komplette Bett- und Nachtwäsche wechseln
  • Einmal-Taschentücher nach jedem Gebrauch entsorgen
  • Händedesinfektion nach dem Naseputzen (nur Einmaltaschentücher verwenden)
  • Kamm / Haarbürste täglich desinfizieren oder Einmalartikel verwenden
  • Flächendesinfektion Dusche/Badewanne nach Gebrauch
  • Wenn eine orale antibiotische Therapie notwendig ist, beginnen Sie diese gleichzeitig mit den Dekolonisationsmaßnahmen

Mindestens dreitägige Pause nach Abschluß aller Sanierungsmaßnahmen, anschließend drei Abstriche an drei unterschiedlichen Tagen, an den vorher befallenen Stellen. Weitere Kontrollen des Sanierungserfolges erfolgen nach 1, 3 und 12 Monaten in unserer MRSA-Ambulanz.

 


Dr. med. Till Dresbach | Pädiatrische Infektiologie Bonn
MRSA-Ambulanz für Kinder | Sanierungsplan
Ihr Ansprechpartner:
Dr. med. Till Dresbach
Universitätsklinikum Bonn

 
 
 
Weitere Informationen zum Thema MRSA:
 

 

Für niedergelassene Ärzte:

MRSA Kinder Empfehlung

 

Sanierung/Dekolonisation von Kindern im häuslichen Umfeld

 
 
Reanimation/Wiederbelebung Kind/Säugling | Kindernotfall Bonn